Factoring

Factoring – Liquidität durch externe Unternehmensfinanzierung

In kleinen und mittelständischen Unternehmen spielt Liquidität eine große Rolle. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit müssen Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt werden. Gleichzeitig müssen Mitarbeiter bezahlt und Rechnungen beglichen werden. Um dauerhaft liquide zu sein, nutzen viele Unternehmen das Factoring. Bei dieser Methode der Wachstumsfinanzierung werden finanzielle Forderungen aus erbrachten Dienstleistungen und Warenlieferungen an eine externe Factoring-Gesellschaft verkauft.

Was ist Factoring?

Factoring ist eine spezielle Form der Unternehmens- und Wachstumsfinanzierung, bei der das gesamte Forderungsmanagement an einen externen Dienstleister ausgelagert wird. Zahlungsausfälle durch das Nichtbegleichen von offenen Rechnungen stellen für zahlreiche kleine und mittelgroße Unternehmen eine latente Gefahr dar. Bei einer Häufung können die Zahlungsausfälle innerbetrieblich Abläufe behindern und im Ernstfall zu einer existenzbedrohenden Gefahr werden. Durch das Factoring erhält das Unternehmen unverzüglich Liquidität aus den Außenständen. Die Forderungen werden gegen eine Gebühr an eine Factoring-Gesellschaft ausgelagert, die die sofortige Bezahlung der gestellten Rechnungen übernimmt. Falls vereinbart, übernimmt die Gesellschaft das gesamte Forderungsmanagement inklusive Mahnungen und Inkassowesen.

Factoringarten

Beim Factoring werden verschiedene Arten unterschieden. Bei der Standardvariante übernimmt die Factoring-Gesellschaft die komplette Risikoabsicherung. Beim Einkaufsfactoring begleicht der externe Dienstleister die anfallenden Rechnungen aller Lieferanten unverzüglich nach Eingang. Unternehmen profitieren von dieser Methode, da sie Rabatte in Anspruch nehmen können und durch das Skonto zusätzlich Geld sparen. Der unternehmerische Freiraum wächst und die Liquidität wird durch das späte Begleichen der Rechnung bei der Factoring-Gesellschaft gesichert. Beim Umsatz- oder Absatzfactoring werden die Umsätze durch die Factoring-Gesellschaft vorfinanziert. Nachdem das Unternehmen Waren ausgeliefert oder Dienstleistungen erbracht hat, wird eine Rechnung ausgestellt. Der Factor überweist zwischen 70 und 90 Prozent des Rechnungsbetrages sofort an das Unternehmen und kümmert sich um das Forderungsmanagement. Nachdem der Vertragspartner der Firma den kompletten Rechnungsbetrag überwiesen hat, wird der Restbetrag ausgezahlt. Auf diese Weise drohen keine finanziellen Engpässe durch Zahlungsausfälle. In der Praxis wird meistens das gesamte Mahn- und Inkassowesen an den Factor ausgelagert.

Vorteile des Factoring

Der wichtigste Vorteil des Factorings ist die dauerhafte Sicherung der Liquidität eines Unternehmens durch die Auslagerung des Forderungsmanagements. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Vorteile:

  • wirksamer Schutz vor Zahlungsausfällen
  • Vergrößerung des finanziellen Handlungsspielraumes
  • Verbesserung der Eigenkapitalquote
  • Sicherung von Einkaufsvorteilen durch Rabatte und Skonto
  • unternehmerisches Handeln unabhängig von Banken
  • verlässliche Finanzplanung

Für viele Unternehmen gehört neben der Liquiditätssicherung das bankenunabhängige Agieren am Markt zu den wichtigsten Vorteilen des Factorings. Die Inanspruchnahme des Kontokorrentkredites beschränkt sich auf ein Minimum. Wachstum, das durch die Entwicklung neuer Technologien und Fertigungstechniken oder durch die Erschließung neuer Märkte generiert wird, muss nicht mehr über Bankkredite finanziert werden. Durch das Factoring gewinnen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, der bei geschickter Ausnutzung zu einer Umsatzsteigerung führt.

Nachteile des Factorings

Zahlreiche Unternehmen setzen wegen der Liquiditätssicherung auf die Methode des Factorings. Allerdings ist diese Form der Unternehmens- und Wachstumsfinanzierung kein Allheilmittel bei Liquiditätsproblemen. Geeignet ist dieses Format nur für bestimmte Branchen und Industriezweige. Gut gelingt die Absicherung der Außenstände im Bereich der verarbeitenden Industrie. Schwierig ist der Einsatz im Dienstleistungssektor. Die Umsatzfinanzierung übernimmt die Factoring-Gesellschaft nur, wenn sich die erbrachte Dienstleistung exakt definieren lässt. Abgelehnt wird in der Regel die Finanzierung von Projektaufträgen, wie sie im Baugewerbe an der Tagesordnung sind. Eine wichtige Rolle spielen darüber hinaus die Kosten für das Factoring. Sie belasten das Unternehmensbudget.

Kosten für das Factoring

Factoring ist eine Dienstleistung, die von den Unternehmen, die sie in Anspruch nehmen, bezahlt werden muss. Die Anbieter verlangen mehrheitlich ein umsatzunabhängiges Entgelt. Die Kosten liegen zwischen 0,8 und 2,5 Prozent vom vorhandenen Forderungsbestand. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Kriterien wie Arbeitsaufwand und Risiken. Einige Factoring-Gesellschaften verlangen zusätzlich eine Gebühr für die Bonitätsüberprüfung der Kunden. Darüber hinaus werden für den Betrag, der vom Factoring-Anbieter bereitgestellt wird, Zinsen fällig. Die Höhe der Zinsen orientiert sich am allgemeinen Zinsniveau der Kreditwirtschaft. Allerdings müssen im Gegensatz zum Bankdarlehen keine Sicherheiten zur Risikoabdeckung hinterlegt werden.

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